Motorradgeschichten - Geschichten über Motorräder und dessen Fahrer

Es ist lange her, dass die Motorradgeschichten von Ernst Leverkus uns so manche vergnügte Stunde bereitet haben. Geschichten rund um's Motorradfahren gibt es immer noch. Auf diesen Seiten werden Geschichten veröffentlicht, die sicherlich Spaß machen. Motorradfahren ist so vielfältig wie die Typen, die ihre "Eisenhaufen" oder "Joghurtbecher" bewegen - und das bietet Stoff für Geschichten.

Nicht nur Geschichten von Motorrädern und Touren werden Sie hier finden - die Garagen- und Bastelkellerfraktionen kommen auch nicht zu kurz.

... und glauben Sie nicht, Motorradfahrer würden nur KFZ-Briefe lesen und sich gegenseitig die Sondereintragungen vorlesen...

Neu: Spiel mit dem Feuer - der Werkstattbrand

Alle Geschichten:© Claus-Peter Gerdsen 2005-2016
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Kindergeschichten: Geschichten für Kinder

(ohne Motorräder, auch Feuerstühle genannt, dafür aber mit Feuerdrachen)

Ich schreibe auch Auftragsgeschichten: Kindergeschichten, Erwachsenengeschichten, Gedichte usw.

Zirola

Eigentlich hieß sie Carola. Wir machten uns manchmal ein wenig lustig über sie, weil sie etwas einer Zigeunerin an sich hatte. Sie hatte pechschwarze Haare und trug meistens kleine goldene Ohrringe. Sie hatte immer etwas geheimnisvolles an sich, auch etwas fremdes, so wie uns Zigeuner auch erschienen.
So wurde die Verbindung hergestellt und sie ganz einfach Zirola genannt. Wir waren aber feige; wir nannten sie so nur, wenn wir über sie sprachen. Sie gehörte zu dem Kreis, der sich locker traf, um mit den Motorrädern ein paar Runden zu drehen. Wir unternahmen nichts besonderes, sondern kleine Touren im äußersten Norden Deutschlands und manchmal nach Dänemark.

Zirola bildete meistens mit unserem einzigen Endurofahrer die Nachhut. Ihre 400er Honda war schon älter und wie sich in einigen Mischlingshunden ziemlich viele Rassen wiederfinden, so war auch ihr Motorrad nicht nur mit Hondateilen ausgerüstet. Die Bremspumpe war von einer Yamaha, das Schutzblech von einer Kawasaki und die Sitzbank hatte sie von einer BMW genommen und für ihre maschine angepasst. Zwar musste sie dafür das gesamte Heck umbauen, aber ihr schien es zu gefallen. Sie war nicht besonders schnell, sondern passte sich unserem Endurofahrer ganz gut an. Man kann nicht sagen, dass ihr Eigenbau Probleme machte. Im Gegensatz zu einigen anderen, die schon einmal mit Zündungsproblemen oder verstopften Vergasern liegengeblieben waren, kam sie immer ungeschoren davon.

Doch einmal erwischte es auch sie. Wir waren gerade von einer größeren Tour zurückgekehrt und überlegeten, den Tag bei einem gepflegten Bier in unserem Vereinsheim "Blechbüchse" zu beschließen. In unserer Blechbüchse wird nicht nur manchmal Blech geredet; Blechbüchse heißt unser Clubhaus, weil es ein alter umgebauter Container ist, auf dem die Regentropfen so herrlich trommeln wie auf einer Blechbüchse.

Einer nach dem anderen warf den Motor wieder an, um zum Clubhaus zu gelangen. Ich hatte meinen Motor noch nicht gestartet, weil ich noch nachsehen wollte, ob das Kardangetriebe noch ölte. Zirola stand auch noch. Nach ihrem dritten Startversuch konnte man schon hören, dass der Elektrostarter es wohl nicht mehr schaffen würde.

So versuchte sie, den Motor mit einem beherzten Tritt auf den Kickstarter in Gang zu setzen, aber auch dabei konnte man hören, dass es keine Aussichten auf Erfolg hatte. Sie holte einen Kerzenschlüssel aus dem Bordwerkzeug und schraubte die Kerzen raus: beide nass. Kein Wunder, dass der Motor kein Lebenszeichen mehr gab.
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